Positive Kommunikation in der Schwangerschaft und Geburt
- Kristina Brdar
- 30. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Worte haben Macht. Sie beeinflussen nicht nur unsere Gedanken, sondern auch unsere Gefühle, unsere Erwartungen und unser Verhalten. In der Psychologie ist seit Langem bekannt, dass unsere innere Sprache einen großen Einfluss darauf hat, wie wir Situationen erleben und bewerten. Genau deshalb spielt eine positive Kommunikation auch während der Schwangerschaft und Geburt eine so wichtige Rolle.
Viele Frauen hören bereits von Beginn der Schwangerschaft Sätze wie: „Warte nur ab, die Geburt wird schrecklich.“, „Geburt ist der schlimmste Schmerz, den man erleben kann.“ oder „Da musst du einfach durch.“ Solche Aussagen prägen unsere Erwartungen – oft, ohne dass wir es bewusst bemerken.
Die moderne Schmerzforschung zeigt, dass Schmerzen nicht ausschließlich durch körperliche Prozesse entstehen. Auch unsere Gedanken, Gefühle, Erfahrungen und Erwartungen beeinflussen, wie intensiv wir Schmerzen wahrnehmen. Angst und Stress können beispielsweise dazu führen, dass der Körper mehr Stresshormone wie Adrenalin ausschüttet. Dadurch steigt die Muskelspannung, die Atmung wird flacher und die Schmerzwahrnehmung kann sich verstärken. Dieses Prinzip wird häufig als Angst-Spannungs-Schmerz-Kreislauf beschrieben.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Geburt allein durch positives Denken schmerzfrei wird. Jede Geburt ist einzigartig und jede Frau erlebt sie anders. Doch eine positive innere Haltung kann dazu beitragen, mit den Geburtswellen ruhiger, entspannter und selbstbestimmter umzugehen. Genau deshalb ist es so wichtig, den eigenen Gedanken und den Worten, die uns täglich begleiten, Aufmerksamkeit zu schenken.
Je mehr du die Geburt als einen natürlichen und kraftvollen Prozess betrachtest, desto größer ist die Chance, dass du ihr mit Vertrauen statt mit Angst begegnest. Und genau dieses Vertrauen kann einen entscheidenden Unterschied machen.
Die Kraft von Affirmationen
Ein wunderbarer Weg, das eigene Unterbewusstsein zu stärken, sind Affirmationen. Sie helfen dabei, den Fokus bewusst auf Vertrauen, Stärke und Zuversicht zu richten.
Besonders hilfreich ist es, bereits in der Schwangerschaft regelmäßig mit positiven Affirmationen zu beginnen. Wiederholen wir stärkende Aussagen immer wieder, können sie sich tief in unserem Unterbewusstsein verankern. Während der Geburt können sie dann zu einem wertvollen Anker werden – besonders in Momenten, in denen Zweifel oder Erschöpfung auftreten.
Auch die Geburtsbegleitung kann diese Affirmationen aufgreifen und dich während der Geburt daran erinnern. Dadurch entsteht ein Gefühl von Sicherheit, Vertrauen und Verbundenheit.
Formuliere positiv
Ein wichtiger Aspekt ist die Formulierung der Affirmationen. Unser Gehirn verarbeitet Bilder und Bedeutungen oft stärker als Verneinungen. Deshalb wirken positive Aussagen häufig klarer und kraftvoller als Sätze mit „nicht“ oder „kein“.
Anstatt zu sagen:
„Ich werde keine Schmerzen haben.“
können stärkende Affirmationen lauten:
Mein Körper weiß genau, wie Geburt funktioniert.
Ich vertraue meinem Körper und meinem Baby.
Jede Welle bringt mein Baby ein Stück näher zu mir.
Ich bin stark.
Ich bin eine Löwenmama.
Ich bin geboren, um zu gebären.
Mit jeder Welle öffne ich mich meinem Baby.
Ich darf loslassen und vertrauen.
Worte verändern unsere Wahrnehmung
Ein weiterer Gedanke, der mir besonders am Herzen liegt, betrifft unsere Sprache rund um die Geburt.
Im Deutschen sprechen wir von Wehen – ein Wort, das viele automatisch mit „weh tun“ verbinden. Ich bevorzuge deshalb den Begriff Geburtswellen. Eine Welle baut sich auf, erreicht ihren Höhepunkt und klingt wieder ab. Genau so verläuft auch eine Kontraktion während der Geburt.
Allein dieses Bild kann vielen Frauen helfen, die Geburt anders wahrzunehmen: nicht als etwas, das gegen sie arbeitet, sondern als eine kraftvolle Bewegung ihres Körpers, die sie ihrem Baby Schritt für Schritt näherbringt.
Natürlich verändert ein anderes Wort nicht den körperlichen Prozess. Doch Sprache beeinflusst unsere Gedanken, unsere Gefühle und oft auch unsere innere Haltung. Und genau dort beginnt mentale Geburtsvorbereitung.
Mein Herzenswunsch
Ich wünsche mir von Herzen, dass wir beginnen, anders über Schwangerschaft und Geburt zu sprechen. Weniger angstbesetzt. Weniger geprägt von negativen Geschichten. Mehr Vertrauen. Mehr Wissen. Mehr Zuversicht.
Denn Geburt ist kein medizinischer Notfall, sondern in den meisten Fällen ein natürlicher biologischer Prozess, für den der weibliche Körper geschaffen ist. Eine gute Vorbereitung bedeutet nicht, dass jede Geburt planbar oder perfekt verläuft. Sie bedeutet vielmehr, Frauen mental zu stärken, ihnen Vertrauen in ihren Körper zu
schenken und sie dabei zu unterstützen, ihren ganz eigenen Geburtsweg selbstbestimmt zu gehen.
Die Worte, die wir wählen, können Angst säen oder Vertrauen wachsen lassen. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam mehr Vertrauen wachsen lassen.Alles LiebeDeine Kristina
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